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Jean-Luc Godard: Lemmy Caution gegen Alpha 60
Schwarz/Weiß
Französisch-italienischer Spielfilm von 1965
Deutsche Erstausstrahlung der vollständigen Fassung
Laufzeit: 95 Minuten
Orginal-Titel: Alphaville, une étrange aventure de Lemmy Caution
Regie: Jean-Luc Godard
 
Schauspieler
Lemmy Caution  Eddie Constantine 
Natacha von Braun  Anna Karina 
Henry Dickson  Akim Tamiroff 
Prof. von Braun  Howard Vernon 
Chef-Ingenieur  László Szabó 
 
"Lemmy Caution gegen Alpha 60" ist ein weiterer Beitrag innerhalb der umfangreichen Godard-Filmreihe, die das ZDF, 3sat und ARTE dem französischen Regisseur zum 70. Geburtstag widmen. Das ZDF zeigt diesen Film, der in unseren Kinos nur in einer um fünf Minuten gekürzten Version zu sehen war, als deutsche Erstaufführung in einer vervollständigten Fassung. "Eine formal wie gedanklich eindrucksvolle filmische Reflexion, die in eine mögliche Befreiung durch die Poesie und die Liebe mündet." (Lexikon des Internationalen Films)
 
Geheimagent Lemmy Caution (Eddie Constantine) kommt als Reporter getarnt nach Alphaville, die Hauptstadt der Milchstraße. Er hat den Auftrag, seinen Vorgänger Henry Dickson (Akim Tamiroff) und Professor von Braun (Howard Vernon) zu suchen. Der Wissenschaftler hat ein gigantisches Elektronengehirn konstruiert, das inzwischen in Alphaville alle Vorgänge und Beziehungen regelt. Die Menschen sind zu willenlosen Sklaven des Computers Alpha 60 geworden, dessen technokratische Herrschaft weder eine emotionale Reaktion noch einen Widerspruch zulässt. Es existiert keine Vergangenheit und keine Zukunft mehr. Vom sterbenden Henry Dickson erfährt Lemmy Caution, dass das selbstherrliche Mons-
trum nur mit seinen eigenen Mitteln besiegt werden kann. Mit Natacha von Braun (Anna Karina), der Tochter des skrupellosen Professors, als "Begleiterin" wohnt er einer bizarren öffentlichen Hinrichtung von Delinquenten bei, die sich durch den Luxus idealistischer Gefühle gegen die Vorschriften in Alphaville aufgelehnt haben. Von Alpha 60 als Individualist und Oppositioneller entlarvt, geht Lemmy Caution zum Gegenangriff über und verwirrt die systemimmanente Logik des Computers durch philosophisch-poetische Begriffe. Im allgemeinen Durcheinander kann er den uneinsichtigen Professor töten. Zusammen mit Natacha, der er menschliche Werte vermitteln kann, flieht er aus der sterbenden Stadt.
 
Ein utopischer Film, ein unkonventioneller Kriminalthriller: Godards Furcht vor einer Welt ohne Poesie, Liebe und Humanität mündet in eine Beschwörung literarischer und existentialistischer Traditionen. "Lemmy Caution gegen Alpha 60" ist ein romantischer Versuch, die in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts aufblühende Euphorie der Raumfahrttechnik, die Anfänge der Computertechnologie mit Kinotraditionen des Sciencefiction-Films und des Film noir zu decouvrieren. Alphaville scheint wie das Wirklichkeit gewordene Metropolis. So nutzt der Regisseur mit dem Helden zahlreicher B-Filme, Eddie Constantine, die Chance, sein Thema mit Filmzitaten, Collagen und Comic-Strip-Elementen anzugehen. Lemmy Caution wirkt wie ein moderner Lancelot, das unsichtbare Elektronikgehirn wie ein Mabuse der Kybernetik. Die Aufnahmen zu diesem futuristischen Film ließ Godard von seinem Stammkameramann Raoul Coutard unter anderem im labyrinthischen Hochhaus der Esso-Verwaltung in Paris und in einem Schulkomplex von Vincennes, einem Vorort der französischen Hauptstadt, realisieren. Und Eddie Constantine besetzte er gegen das Image vom schlagkräftigen Actionhelden und draufgängerischen Frauenhelden als Botschafter einer moralischen, humanen Mission. Im Schatten einer Kafkaesken, Orwellschen Realität wird er zum vollkommenen Antitypus.
Copyright: Zweites deutsches Fernsehen
Auf seiner Spurensuche nach dem Deutschland des Jahres 1990 begegnet Lemmy Caution (Eddie Constantine) auch ein orientierungsloser Don Quichotte (Robert Wittmers, li.).
 
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