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I
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- - - - D
i e s e W o c h e - - - - |
| 26.11.2001,
Mo. |
Sieh an, ein Montag.
Da kämpfte ich mich mühsam zur Arbeit, obwohl mir die Augen weh tun (nicht
brennen, nicht tränen, sondern richtig schmerzen). Und in der Mitte des Tages
erfuhr ich, daß mein Groupware Projekt in absehbarer Zeit nicht so
durchgeführt würde, wie geplant, sondern es wird vielmehr unsinnige
zusätzliche Zeit in unsinnige Arbeit gesteckt. "es wird... gesteckt"
war eigentlich die falsche Formulierung. *Ich* werde unsinnige Zeit in unnütze
Arbeit stecken. An dieser Stelle waren wir schon vor 8 Monaten, als ich das
Projekt übernommen hatte. Zwischenzeitlich wurde mir vorgewurfen, ich würde zu
langsam vorgehen. War es denn so wichtig, wie schnell man auf der Stelle
tritt? In einem Laufrad hat man auch das Gefühl, es geht immer weiter
aufwärts. Das Projekt war entscheidungsbereit. Es fehlte das "GO".
Mehr nicht. Stattdessen hieß es jetzt wieder, doch erstmal etwas eigenes zu
bauen. VERDAMMT! DAS IST NICHT BILLIGER. ABER AUF JEDEN FALL SCHLECHTER.
Wurde ich hier verschaukelt? Absichtlich oder unabsichtlich? Resignation ist die
Motivation des kleinen Mannes... ich hatte keinen Bock, irgendetwas zu tun, in
dem kein Sinn lag. Ich glaube, ich mache das nicht. Ich werde mich nicht
hinsetzen und in MS Access und Basic (BASIC!!! B wie BEGINNERS ... )
programmieren. Was bedeutete: externe Aufwände, die das eigentliche Budget
schmälerten... irgend jemand mußte das ja tun. Aber ich nicht.
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| 27.11.2001,
Di. |
Ich verbrachte den Tag eher lustlos. Wen wunderts. Abends
sagte ich meinem Chef, daß ich mich ziemlich ärgerte.
Einzig bemerkenswertes Ereignis heute: das bestellte Tischstativ aus dem Amazon
Gutschein war schon da, morgen gehe ich es auf die Post abholen.
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| 28.11.2001,
Mi. |
Das Päckchen holte ich ab... und um es mit einem Zitat aus
der Klapperschlange zu sagen "ich hatte Sie mir größer vorgestellt".
Also erst einmal: das Stativ war stabil und flexibel einsetzbar. Dann ist es
eigentlich winzig klein - es hätten zwanzig oder dreißig Stück davon in den
Karton gepaßt, mit dem es kam... wahrscheinlich noch mehr. Den vollen Preis von
fast fünfzig Mark hätte ich nicht bezahlt, wenn ich das Stativ irgendwo im
Kaufhaus gesehen hätte. Große Dreibein-Stative fingen ja schon bei 60 Mark an.
Unabhängig davon will ich natürlich auch noch ein großes Dreibein haben.
Irgendwann, jetzt gab es wichtigeres.
Reichlich lustlos vergrub ich mich in meine Arbeit und ging früh genug nach
Hause, so daß ich keine unbezahlten Überstunden riskierte...
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| 29.11.2001,
Do. |
Ich hatte immer noch keinen Bock. Also spielte ich wieder ein
bißchen mit meinem Intranet herum. Ein paar Seiten optimiert, eine
Präsentation (von gestern) in PDF umgewandelt und online gestellt. Abends nix
gemacht.
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| 30.11.2001,
Fr. |
Was waren die Highlights des Tages? Eigentlich nicht viel.
Ich führte ein Vorstellungsgespräch mit einem externen Facharbeiter, der mein
Webhosting Team für die nächsten Wochen unterstützten sollte.
Ich war bei der Verabschiedung eines Mitarbeiters, der in den Ruhestand ging
(ich konnte mir das gar nicht vorstellen, einmal einen *wirklich* letzten
Arbeitstag zu haben). Ich aß dort zuviel, aber was kann man tun, wenn man
gebeten wird, das Zeugs zu vernichten. Jeder wunderte sich irgendwie, daß die
Schnitzel auch nach 4 Stunden noch zart waren. Haha. Die haben noch nie etwas
von Preßfleisch gehört. Allerdings wollte ich die Stimmung nicht zerstören,
deswegen hielt ich meinen Mund.
Und ich war weiterhin der Stimmung, meine Arbeitszeit für das Intranet zu
verschwenden... ich implementierte eine Volltextsuche, korrigiert die Toolbar
und das dort enthaltene Drop-Down-Menü. Ich schaute mir im Logfile an, wo
"404" stand und korrigierte entsprechend die HTML-Seiten. Ich führte
eine "Ganz-neu-im-Intranet-aber-nicht-so-wichtig-Zeile" auf der
Startseite ein.
Um 18:30 verabschiedete ich mich dann ins Wochenende und schlenderte beim real
vorbei, um mir Frühstück für morgen zu besorgen. Mein Bäcker fragte mich
vorwurfsvoll, ob ich in Urlaub gewesen wäre, weil ich so lange nicht mehr da
gewesen wäre. Aber ERSTENS waren seine Puddingstückchen in der letzten Zeit
immer alle, wenn ich vorbeikam, ZWEITENS hatte er eine neuer Mitarbeiter und er
selbst war nicht immer da und DRITTENS hatte ich wirklich nicht oft Zeit gehabt
in der letzten Zeit. Ich bin auf einem 48,5 Stunden-Wochen Schnitt gekommen und
ich zwang mich dazu, daß ich spätestens 19:00 die Firma verließ. Seit ich
alles mitprotokollierte, sah ich, wie ich mich jetzt schon wieder einwickeln
ließ...Oh. Das wollte ich nicht.
Diese Woche warens dann nur 44 Stunden. Basta.
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| 01.12.2001,
Sa. |
Nachdem ich tüchtig ausgeschlafen und gefrühstückt hatte,
stürzte ich in die üblichen Samstagsschlacht. Einkaufen fürs Wochenende. Im
real war wieder der Teufel los und so legte ich es darauf an, möglichst schnell
damit fertig zu sein. Allerdings gab es etwas, das mir in den letzten Wochen
schon aufgefallen ist. Bestimmte Waren fehlten - d.h. ausverkauft. Und es betraf
"reguläre" Ware, z.B. Birnen in Dosen oder Kaba. In der Regel war das
ein Zeichen dafür, daß die Lagerhaltung strenger kontrolliert wurde und auf
das nötigste zurechtgerückt wurde, was wiederrum bedeutete, daß real den
Lagerwert herunterfuhr, was wiederum bedeutete, daß sie den Gürtel enger
schnallten. Interessant.
Mir fiel ohnehin schon seit mehr als sechs Wochen auf, daß es schon Freitags
mittags die Angebotsblätter nicht mehr gab, was bedeutet, daß diese Menge
ebenfalls heruntergefahren wurde. Diese Großfirmen haben effiziente
Steuermittel für die bedarfsgesteuerten Güter und so WAR DAS ABSICHT und keine
Unaufmerksamkeit. Weniger Angebotsblätter hieß zweierlei: weniger Leute,
welche die Gelegenheit hatten, Angebote zu kaufen (als Waren mit reduzierter
oder keiner Gewinnspanne) *und* geringere Kosten für die Produktion dieser
Blättchen. Auch ein Zeichen.
Stattdessen hing über der ehemaligen "Information" nun ein großes
Schild "Servicepoint". Umstrukturierung, ick hör' Dir trappsen.
Da mir unten an den Kassen zuviel Verkehr war, lief ich über die Kassen oben in
der Drogerieabteilung. An dem Ausgang gibt es auch noch einen Photo Porst und
ich wollte mich nur mal schnell nach Preisen für CF-Module umsehen. Kaum stehe
ich an der Vitrine, werde ich schon von der Seite angesprungen: "Kann man
ihnen helfen?" Kindchen - Deine Verkaufsschulung hat zu einem hohen
Prozentsatz versagt... Die direkte Ansprache war schonmal gut. Selten wird man
gefragt. Aber die Art und Weise... tststssss. Man eröffnet mit einem
freundlichen Gruß: "Guten Morgen" (das wissen sogar die
Kassiererinnen an den Scannerkassen). Dann funktioniert der Verkauf durch
direkten Kontakt mit dem Kunden (und am besten dabei lächeln): "Kann ICH
IHNEN helfen?" Wobei das "kann" hier ebenfalls nur die zweitbeste
Alternative darstellt. Und es ist eine Frage, die man korrekt nur mit
"ja" oder "nein" beantworten kann (niemals einen Kunden dazu
verführen, "nein" zu sagen). Noch direkter und interessierter wäre:
"Wobei kann ich Ihnen helfen" oder "Wie kann ich Ihnen
helfen". Wobei "helfen" natürlich auch implizieren kann, daß
der gefragte "hilflos" ist. Dabei sollte man schon etwas abschätzen,
wer das ist. Also gibt es noch die Alternative "Was kann (oder darf) ich
für Sie tun?", womit man aktive Unterstützung anbietet, aber auch nicht
wertet. Nun spielt natürlich auch die Körpersprache eine Rolle. Die benannte
Fachverkäuferin war etwas kleiner als ich und nahm unbewußt eine dominante
Körperhaltung ein (Daumen in den Gürtel gehakt, Ellenbogen leicht abstehend,
leichtes Hohlkreuz, Kopf leicht nach hinten, so daß die Augen zwar nach
oben, von der Kopfhaltung her aber eher nach unten sehen ->
Lauerstellung, zum Kampf bereit, Selbstbewußtsein demonstrieren,
Revierverhalten, Respektlosigkeit). Das darf einem Verkäuferin eigentlich nicht
passieren, wenn man den Kunden nicht kennt, da man ihn sonst verscheucht. Das
darf man als Verkäufer/-in machen, wenn der Kunde im weiteren Verlauf unsicher
ist und sich nicht entscheiden kann. Dann hilft es schonmal, ihm selbstsicher
das Stück mit der höchsten Provision in die Hand zu drücken und zu sagen
"Das hier würde ich nehmen, " - mit dem Zeigefinger auf den Deckel
der Ware tippen - "wenn ich an Ihrer Stelle wäre." und zack,
klingeling. Nun, um zum Punkt zu kommen... im Porst sagte ich dann "MAN
kann nicht.", ich ging heraus und fuhr nach Hause.
Dort angekommen dichtete ich endlich das Fenster in meinem Arbeitszimmer ab.
Eigentlich war es dicht. Aber wenn ich vor meinem PC saß, da dachte ich, daß
ein leichter, kalter Hauch an meinem Kopf vorbeifuhr und ich wußte, daß es
sich nicht um paranormale Aktivitäten handelte. Andererseits war ich auch sehr
empfindlich und bemerkte Dinge, die anderen entgingen. Um sicher zu sein,
umfaßte ich die Fensterflügel mit einer Dichtung, klebte mit Kreppband die
Ritzen des Rollandekastens zu und verfuhr genauso mit der Kontaktstelle zwischen
Fensterrahmen und Fensterbank. Nun war ich mir sicher, daß alles andere fast
nur Einbildung sein konnte...
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| 02.12.2001,
So. |
Irgendwie wollte ich mal richtig ausschlafen, deswegen ging
ich gestern schon um 20:00 Uhr ins Bett und schlief - mit Unterbrechungen - bis
8:00 Uhr morgens. Dann trieb es mich aber aus dem Bett, weil die Traumsequenzen
ein Thema hatten, mit dem ich nicht viel anfangen konnte. Es ging
um "protoplasmatischen Kleber": im Fernsehen hatte ich mal gesehen,
daß Wissenschaftler ein Protein entwickelt haben, daß Fleisch
"zusammenkleben" konnte - z.B. um aus vielen kleinen Fleischstücken
(=Reste) ein großes Stück Fleisch zu machen, das aber auch von der Optik und
Struktur her stimmte . Also offensichtlich eine Verarbeitung des Themas
"Preßfleisch" vom Freitag - wobei beide Fertigungsverfahren sehr
unterschiedlich waren und genau da setzte der Traum an. Aufgrund des Zusatzes
dieses Proteins veränderte sich das Fleisch selbst und derjenige, der es aß,
war nicht mehr ganz Herr seiner Sinne. Im Traum war ich das dann... inklusive
Gerichtsverfahren, Flucht, Rechtfertigung u.s.w. zum Schluß spielten tote
Osterhasen und eine Fotografie mit der Anordnung von Osterhasen auf einer
kreisrunden Lichtung eine Rolle. Ich glaube, zum Schluß war einer der Osterhase
der wirkliche Täter ...ein Komplott!
Also der beste Grund, wach zu werden. Ich wollte eh' früher aufstehen,
weil heute beim Praktiker ein Antik- und Trödelmarkt statt fand. Das hätte ich
mir aber sparen können, nichts ist trostloser als alter Kram, bei dem man sich
ohnehin wundert, daß den jemand irgendwann neu gekauft hatte. Und das alles auf
einem Haufen, auf einem relativ finsteren (aber gottseidank überdachten)
Parkdeck am frühen, düsteren Sonntag Morgen mit Nieselregen.
Dementsprechend war ich auch schnell wieder zuhause. Was nun?
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