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i e s e W o c h e - - - - |
| 16.12.2002,
Mo. |
Ereignisreich. Natürlich war das eine beschisseneSituation
gestern, weil ich natürlich - so ausgeschlafen wie ich war - erst um 04:30 Uhr
morgens ins Bett fiel. Na toll. Da fing ich die Woche gerade mal wieder müde
an.
Dafür war meine erste Amtshandlung heute die Befreiung. Eine kurze
Unterschrift. Alles geklärt, finaler Urlaub ab 20.12.2002...
Ansonsten ein kurzer Arbeitstag, da ich bereits um 14:45 Richtung S-Bahnhof Süd
aufbrach. Ich hatte eine Firma in Frankfurt gefunden, die sich als größter
europäischer Callcenterbetreiber beschrieb und den Laden wollte ich einfach mal
überraschen. Sie hatten am Wochenende fünf Stellenanzeigen für Gruppenleiter
ausgeschrieben und wenn ich fünf Gruppenleiter hörte, rechnete ich schon
Headcount und Anzahl der Calls hoch und was an Backoffice und Hierarchie dazu
gehörte. Ergebnis: die Firma generierte neue Aufträge, also sollte da irgendwo
ein Job für mich drin sein.
Ich fuhr bis zur Taunusanlage, latschte zur Oper, dann wußte ich aber nicht
mehr weiter - keine Straßenschilder zu sehen. Ich ahnte zwar die Richtung,
konnte mich aber an den Stadtplan nicht mehr richtig erinnern. Also latschte ich
drauf los, während ich schon bange daran dachte, daß ich meinen Schirm im Auto
liegen gelassen hatte. Schließlich wurde es mir zu viel und ich fragte eine
Kioskverkäuferin, ob sie Stadtpläne zu verkaufen hätte. Nein, hatte sie
nicht. Aber trotzdem beantwortete sie mir die Frage, wo die gesuchte Straße
wäre... also lief ich wieder zurück. Währenddessen fing es leicht an zu
regnen. Wußte ich es doch. Weil ich nicht vollkommen durchnässt dort ankommen
wollte, entschloß ich mich, zuerst noch einen Schirm zu kaufen und lief noch
über die Freßgass in die Stadt hinein. So lernte ich mehr von der Topologie
von Frankfurt kennen und wußte damit auch, wie ich später wieder zur IHK
kommen würde.
Also bis zum Kaufhof, Schirm gekauft und direkt ausprobiert. Er war sch**ße,
erfüllte aber seinen Zweck - außer daß er mir beim probehaften Einklappen das
Nagelbett meines linken Zeigefingers aufgerissen wurde. Ja, es hatte schon einen
Grund, warum das Ding so billig war.
Als ich dann zu dieser Firma kam, stellte ich fest, daß der Weg zum Kaufhof
länger gewesen war als bis zu diesem Callcenter. Und damit natürlich bis zum
Kauf des Schirmes nasser geworden war als bis zum Callcenter. Und irgendwie war
sofort zu merken, daß das ein Callcenter war. Wildfremde Menschen grüßten
mich freundlich auf der Treppe in den 5.Stock (der Aufzug war defekt - das
erinnerte mich auch an Callcenter) oder sagten "tschüss"... schön
:-)
Es war zwar erst 15:50, aber die Personalabteilung war schon komplett
verwaist... verdammt. Aber die Rezeptionistin nahm meinen Lebenslauf entgegen
und schrieb mir auf, an wen ich mich morgen früh telefonsich wenden könne. So
weit, so gut.
Anschließend war eine ganze Stunde tot zu schlagen. Erst um 17:30 ging es auf
der IHK weiter, also erforschte ich die S-Bahn-Station an der Hauptwache.
Unglaublich, wie groß diese Station war... und ich stellte fest, daß ich den
meisten Weg von der Taunusstation zur Hauptwache auch hätte unterirdisch
zurücklegen können... (und ebenfalls trocken geblieben wäre). Ein kurzer
Besuch im McDonalds und dann war 17:00 Uhr, also aus der Station raus und
Richtung IHK. Auf dem Weg fing mich ein Marktforscher ab... ich hatte Zeit und
nichts zu tun, konnte lustig werden. Wurde es auch. Ich wurde interviewed zu
Plakataktionen, leider wurden nur Plakate abgefragt, die mich nicht
interessierten. Italienischer Kaffee, Tabakwerbung, Alkohol und Geländewagen.
Naja... ich war so ehrlich, wie ich konnte. Und verdiente dabei 2Euro
<grins>.
Dann aber zur IHK. Streß. Wir setzten uns in den Raum, in dem wir letzte Woche
auch waren. Der war aber falsch. Also Almtrieb zum richtigen Raum... haha. Das
Existenzgründungsseminar war heute wirklich lustig. Spätestens als zum dritten
Mal jemand fragte, ob eine GmbH im Handelsregister eingetragen werden müsste,
konnte ich mir zynische Bemerkungen nicht mehr verkneifen. Da waren potenzielle
Existenzgründer dabei... ich konnte die "50% Pleiten innerhalb der ersten
5 Jahren"-Firmen schon jetzt deutlich identifzieren...
Danach gingen wir (=Thomas, Michael, ich) Richtung Bockenheimer Warte zu einem
Thai-Restaurant, schlugen uns die Bäuche voll und dann fuhr mich Michael mit
seinem alten Wagen (WAAAAGEN) Merzedes Benz 240 TD (TD=teurer Diesel) nach
Schwalbach. Als wir uns verabschiedet hatten und ich schon fast vor der Tür
stand, fiel mir ein, daß mein Auto am S-Bahnhof Eschborn Süd stand... ich
konnte die beiden gerade noch aufhalten :-)
Also nach Eschborn Süd, ich zeigte ihnen, wo ich mein altes Auto verloren hatte
und dann nach Hause. Gute Nacht...
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| 17.12.2002,
Di. |
Müde. Immer noch. Es wurde Zeit, daß ich Urlaub machte.
Drei Monate sollten reichen. Aber heute, am drittletzten vwd-Arbeitstag kam ich
immer noch nicht zur Ruhe. Die nächste IHK-Schulung stand bevor, deswegen
mußte ich um 16:45 wieder aus dem Haus. Davor schaffte ich gerade noch, an
meiner Intranet-Dokumentation weiter zu schreiben, ein Meeting abzuhalten und
eine gehässige Mail zu schreiben: gestern, als ich besonders früh nach Hause
gegangen war, fiel nämlich jemandem auf, daß eines meiner System nicht richtig
funktionierte - beim Aufräumen hatte ich leicht Zugriffsrechte verstellt. Und
einer lief kopflos durch die Gegend, fand mich natürlich nicht und schrieb eine
panische Mail an einen recht großen Verteiler. Ich antwortete
selbstverständlich und brachte meinen temporären Lieblingssatz in die Mail:
"Mit Qualitätseinbußen muß gerechnet werden." Eine Variante von
"hab' ich es nicht gesagt?". Am Mittag übergab ich meine Unterlagen
und Dateien zu einem bestimmten Thema, somit war ich das schon los. Eine andere
Sache war ich schon los...
Dann aber um 16:50 ins Auto, zur S-Bahn und nach Frankfurt. Heute ging es um
Versicherungen für den Unternehmer (beruflich und privat) und um Personal.
Letzters erzählte mir zwar nichts neues, aber ich hatte die Gelegenheit, ein
paar gehässige Bemerkungen anzubringen... z.B. "Schafe? Schert mich
nicht!" Das ist wohl so ein Satz, den ich mir für die Bewerbungsfotos
aufsparen sollte. Er garantiert mir zumindest ein (natürlich) grinsendes
Gesicht.
Um 21:55 fuhr die S-Bahn wieder zurück und das war es für heute.
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| 18.12.2002,
Mi. |
Den ganzen Tag über nur Streß. Und Kopfweh, welches sich im
Laufe des Tages auf die Leute übertrug, denen ich meine Aufgaben gab. Das war
alles zuviel Hetze (und morgen würde es so weiter gehen).
Auf dem Nachhauseweg fuhr ich beim McDonalds vorbei - es mußte einfach sein.
Ansonsten nichts neues...
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| 19.12.2002,
Do. |
Der Streß ging weiter. Ich stand extra früh auf, um im real
Zeugs für den Abschied einzukaufen. Sekt, O-Saft, Knabberkram, Pappbecher
u.s.w. Lästig, daß nur vier Kassen geöffnet waren, so stand ich länger an
der Kasse an, als ich das Zeugs zusammengesucht hatte.
Die Getränke ließ ich im Auto stehen - natürlicher Kühlschrank bei den
Temperaturen. Das andere Zeugs schleppte ich hoch und sperrte zum letzten Mal
mein Büro auf und machte zum letzten Mal das Licht in meinem Büro an und führ
zum letzten Mal meinen PC hoch. Ich zeigte ein paar Leuten noch ein paar Dinge,
mit denen sie die nächste Zeit verbringen sollten, schrieb ein paar Mails,
damit die anderen (vor allem externe) Partner Bescheid wußten, daß es keinen
Zweck hatte, mir in Zukunft E-Mails zu schicken.
Der Rest vom Tag verging recht lustig, als die Kollegen nach und nach
vorbeikamen und mit mir den Abschied feierten. Wobei einige es auf den Punkt
brachten, die vorgestern und gestern auf Abschiedsfeiern waren und morgen noch
eine hätten. Das nannte ich dann "training on the job", es könnte ja
sein, daß man selbst bald die Hauptperson einer Abschiedsparty wäre. Ich hatte
gut lachen und ließ keine Bemitleidungen zu, wußte ich doch, was ich (und die
anderen Ehemalingen) den Ärmsten im nächsten Jahr an Arbeit übrig ließ.
Als Gag überklebte ich das "b" in "Webhosting" an meiner
Türe mit "g". Ich bat meine Spione, mir Bescheid zu sagen, wann
jemand den Ausgangszustand wieder herstellte. Irgendwann waren alle weg, hatte
ich mich von allen verabschiedet, da (räumte ich das Büro auf,) fuhr ich zum
letzten Mal meinen ehemaligen PC herunter, schaltete zum letzten Mal das Licht
ab und sperrte zum letzten Mal mein ehemaliges Büro zu und gab meine Schlüssel
und Magnetkarte ab. Dann ging ich zum letzten Mal die Treppe herunter,
verabschiedete mich zum letzten Mal von unserem Rezeptionisten und verließ vwd.
Das war's dann.
Nichts wie ab zur IHK nach Frankfurt. Diesmal wieder mit dem Auto - ein Chaos.
Mit einer halben Stunde Verspätung kam ich schließlich an, hörte mir ein
bißchen über "betriebswirtschaftliche Auswertung" und
"Bilanzen" an, verließ die Veranstaltung aber wieder früher, denn
ich mußte nach Offenbach.
Nein, eigentlich mußte ich nicht, ich wollte. Eine Tochtergesellschaft von vwd
feierte heute ihre Weihnachtsfeier, zu der ich eingeladen war und unbedingt
vorbeigehen wollte. War ein schöner Abend und das Essen war gut (Thai).
Um 22:20 war Aufbruch, ich fuhr nach Schwalbach zurück und las müde meine
Mail.
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| 20.12.2002,
Fr. |
Mein erster Urlaubstag begann genau nach Plan. Ich schlief
bis 13:00 Uhr (mit kleinen Unterbrechungen). Dann stand ich gaaanz langsam auf
und tat erst einmal überhaupt nichts. Das einzige, wobei ich mich wirklich
bewegte, war mein Gang auf die Post. Ich trug schon zwei Wochen lang Briefe mit
in meinem Rucksack, die ich noch nicht abgegeben hatte.
Irgendwann am Nachmittag klingelte es an der Tür. Ein Mann von der Telekom
konnte sich anscheinend mit meinen koreanischen Nachbarn nicht richtig
verständigen. Daß das problematisch war, konnte ich nachvollziehen - selbst
ich hatte meine Mühe, jemanden zu verstehen, dessen Sprache geschichtlich
näher am Lautschatz von vor 150.000 Jahren lag als Neuhochdeutsch (oder dem
Englisch, das die Nachbarn benutzten). Schließlich versprach ich meinen
Nachbarn, bei dem Techniker zu bleiben und mich um alles zu kümmern. Hätte ich
nicht tun können, wenn ich nicht zuhause gewesen wäre.
Am Abend kochte ich mir durcheinander... Mais, Erbsen, Paprika, Tomaten in eine
große Pfanne mit angebratenem Hackfleisch und Zwiebeln, eine Dröhnung
Gewürzte und separat gekochtem Reis. Da das ganze einen Hauch in Richtung
Mexiko tendierte, packte ich Tortillas dazu und vernichtete die Hälfte
gnadenlos.
Allmählich begann ich auch, mir Gedanken darüber zu machen, wie die nähere
und fernere Zukunft aussehen sollte. Nein, nicht Gedanken, daß ich darüber ins
Grübeln gekommen wäre oder "schwarz" sehe, sondern einfach nur
locker-flockiges Nachdenken nach dem Motto "Wozu habe ich Bock? Wie kann
ich meinen Lebensstandard weiter ausbauen (meint: to get mo' money)?".
Dabei
half mir die neben stehende Grafik nicht wirklich weiter. Ok, ich machte mir
keine Sorgen mehr, aber es wurmte mich natürlich stark, daß ich einmal meinen
Liebling falsch eingeschätzt hatte und jetzt mal diese Woche 1000 Euros in den
Sand gesetzt hatte (das hier nur zum Hinweis, daß ich nicht nur immer im Plus
abschloß). Hätte ich besser aufgepasst, dann hätte ich genau gegenteilig
investiert - aber man kann ja nicht immer alles wissen.
Das wird schon wieder. Ich mußte nur darauf achten, daß ich alles los war,
bevor die Amis auf den Irak draufhauen, was immer wahrscheinlicher
wurde...
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| 21.12.2002,
Sa. |
Nachdem ich um 12:00 Uhr aufgestanden war, ärgerte ich mich
am Tag insgesamt vier einhalb Mal.
Das erste Mal, als ich im real einkaufen war. Laut Prospekt gäbe es diese Woche
ein nutella-Sonderglas 750gr+75gr und das auch noch für 1Euro99. Aber von
wegen! Es war das Glas mit normale Größe 750gr. Sogar auf dem Schild über dem
nutella stand 750gr+75gr, aber der 1000gr Einheitspreis war auf exakte 2,65
gerechnet - also für 750 Gramm. Allerdings fehlte mir der Drive, mit Getöse zu
reklamieren.
Dann ärgerte ich mich über meine Winterreifen, die ich heute mittag aufziehen
wollte. Aber leider sagte mein Fahrzeugschein: erlaubt waren 185/65R14. Ein
Blick auf die Pneus: ich besaß 175/65R13. Ich fluchte mal wieder über meinen
Ford Focus. Weiß jemand, ob es sicherer war, mit den zu kleinen Winterreifen zu
fahren als mit den 205-16er Sommerreifen?
Als ich dann in der Wohnung saß, ärgerte ich mich noch einmal. Ich hatte meine
F.A.Z. im Zeitungsladen liegen gelassen. Bezahlt, aber liegen gelassen.
Und es kam das unvermeidbare: auf meinem Lottoschein war diese Woche auch nichts
drauf. Nummer vier.
Und das halbe Mal war die Musterlösung zu "Einführung in die
Datenverarbeitung". Ich hatte Fehler gemacht - allerdings konnte man über
die Musterlösung einer Aufgabe zumindest diskutieren - war ein Struktogramm
richtig, wenn Werte nicht initialisiert wurden?
Außerdem schickte mir die Fernuni die Klausurergebnisse vom September zu und es
war interessant, daß 41% der Teilnehmer BWL I nicht bestanden, 49% BWL II und
31% BWL III. Dafür bestanden nur 27% nicht in Wirtschaftsinformatik und 21%
nicht in Wirtschaftsmathematik. Also konnte letzteres gar nicht so schwer sein
und lernen sollte ich wohl für den originalen BWL-Quatsch. Den Vogel schoß
allerdings Volkswirtschaftspolitik ab: 64,3% Durchfaller. Alles potenzielle neue
Wirtschafts-Super-Minister. Dafür war mir auch klar, warum es immer mehr
Steuerberater gab: 32% bestanden mit "sehr gut" in
betriebswirtschaftlicher Steuerlehre.
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| 22.12.2002,
So. |
Um 11:00 Uhr stand ich auf, packte meine Sachen zusammen, brachte den Müll raus
und suchte noch Dinge am PC zusammen, die ich mitnehmen wollte. Unter anderem klebte
ich virtuell mehrere Bewerbungsfotos gesammelt auf eine große Bitmap und brannte sie
auf CD, damit ich sie im Saarland entwickeln lassen konnte. Ich war schon gespannt auf
das Ergebnis. Dann, um 12:50 hatte ich alles erledigt, drehte noch die Heizung herunter
und setzte mich ins Auto.
Oh je. Es regnete, regnete, regnete. Das war keine so interessante Fahrerei, aber ich
war froh, daß es nicht schneite (siehe den Ärger von gestern: keine Winterreifen). Also
holte ich meine Schwester in Mainz an der Universität ab und eineinhalb Stunden später
waren wir in Ensdorf.
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