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    aktuelles Thema - Maulkorb für Kampfmenschen

    Ich bin als kleiner Junge von einem Hund gebissen worden. Ich war 7 oder 8 Jahre alt und der Hund war auch nicht besonders groß. Oder besser: unter 20kg, unter 40cm. Vorher habe ich schon keine Hunde gemocht und durch den Biss hat sich meine Einstellung nicht geändert. Ich erinnere mich noch an die ganze Aufregung damals: ich bin heulend nach Hause gerannt, meine Mutter hat den Arzt angerufen und ich bin noch am selben Abend gegen Tollwut geimpft worden. Positiv: ich mußte nicht beim Abwasch helfen und durfte den ganzen Abend auf der Couch rumliegen. Damit sich meine Geschwister nicht ungerecht behandelt fühlten, habe ich noch ein wenig rumgestöhnt und die Sache war erledigt und vergessen.

    Bis dieser Tage.

    Was ich aber damals schon kapiert habe, daß es meine eigene Schuld war. Kann man von Schuld bei Unwissenheit sprechen? Der Volksmund tut es: "Dummheit schützt vor Strafe nicht". Ich war dem Hund nicht böse, sondern dem Halter. Nun sind seit damals schon über 20 Jahre her, Hunde kann ich immer noch nicht leiden.

    Ein Hund hat einen Jungen totgebissen. Die Medien schlachten das Thema aus (was man heute "sensibilisiert" nennt) und jeder Hinweis auf Hundeverhalten wird berichtet. Alte Reportagen werden wieder hervorgezogen, Talkshows, Telefonabstimmungen, Diskussionsrunden und Meinungsbefragungen beziehen den Bürger bei der Kommentierung mit ein. Politiker erkennen Handlungsbedarf - und ab dem Zeitpunkt verläßt uns die Realität.

    Ich weiß mittlerweile nicht mehr, auf welcher Seite ich stehe. Die Diskussion wird rein emotional geführt und zwar in einer Heftigkeit und Eskalationspotential, daß mir dabei körperlich übel wird. Ich habe eine starke Abneigung gegen Extremismus in allen seinen Varianten und nun tun mir die Hundefreunde, die Ihren "Bello" vor Kampfmenschen beschützen müssen leid - unabhängig davon, daß ich den "Bello" nicht ausstehen kann. Den kleinen (oder großen) Scheißer.

    In der abwickelnden Diskussion begreift anscheinend keine Partei, daß durch ihr eigenes Agieren Hunde und Menschen austauschbar werden. Böse Hunde bekommen Maulkorb und Leine, was machen wir mit bösen Menschen? Was kommt häufiger vor? Böse Menschen oder böse Hunde? Böse Menschen oder gute Menschen? Gute Hunde oder böse Hunde?

    Es gibt den kontroversen Satz "Waffen töten keine Menschen, Menschen töten Menschen" - eine Kampagne der Waffenlobby in den Vereinigten Staaten von Amerika. Meiner Meinung nach eine zynische Aussage (Das Wort "Zynismus" stammt übrigens aus dem Griechischen "kynos", was "Hund" bedeutet), weil Menschen andere Menschen auf jeden Fall töten können - ob mit oder ohne Waffe. Mit der Waffe geht es halt etwas einfacher, effizienter. Töten fällt mit der Distanz leichter. Genauso gut könnte die Waffenlobby lauten: "Sterben werden wir auf jeden Fall".

    Was hat das nun mit Hunden zu tun? Nun, die Menschen, die sich durch einen Hund bedroht fühlen, betrachten Hunde als Waffen. Dazu kommt die rechtliche Einordnung von Haustieren als Sachen. Gepaart mit obiger Argumentation hat man schnell einen sogenannten Kampfhundgegner und plötzlich gewinnen stark emotionale Argumentationen und Handlungen die Oberhand. Kein wahrer Hundefreund wird einen Hund zur Waffe ausbilden - das wäre ein Widerspruch in sich.

    Ebenso wird eine Tatsache außer acht gelassen: Pistolen und Gewehre sind eindeutig dazu gedacht, Menschen zu verletzen oder zu töten. Das ist ihre Funktion. Aber Hunde sind eher wie das Buttermesser... töten kann man damit auch, aber das ist eine Entfremdung des Gegenstandes von seiner ursprünglichen Aufgabe.
    Ein Hund ist aus meiner Sicht in derselben Waffenkategorie wie Aktenvernichter, Mülltonne und Tannenzweige. Automobile sind schon in einer gefährlicheren Waffenklasse einzuordnen.

    Gegner eines aggressiven Hundeverhaltens haben natürlich auch recht: man muß den Tatsachen auf den Grund gehen, warum Hunde böse Dinge getan haben und warum seine Halter dies zugelassen haben. Sicher demonstrieren die gewissenhaften Hundehalter gerne, daß sie gegen ein eventuelles Restrisiko aktiv vorgehen wollen. "Der beißt nicht" ist passiv.

    Und jetzt kommt mein Standpunkt:

    Ich ergreife Position für den denkenden Menschen.
    So weh tun Maulkorb und Leine nicht. Gassi geht man nicht 24 Stunden am Tag, das Aggressionspotential durch diese beiden Maßnahmen halte ich für gering. Wenn der Hund in der restlichen Zeit richtig gehalten wird, dann gleicht es sich aus. Wer meint, durch Maulkorb und Leine wird sein Hund plötzlich zum bösen Wolf, der soll seine persönliche Umgebung und die seines Hundes unter die Lupe nehmen, ob diese wirklich geeignet für die Hundehaltung ist.
    Eine Erhöhung der Hundesteuer hat nur Auswirkungen auf die Kassenlage der Gemeinde, diesen schönenen Nebeneffekt nutzen die Politiker für sich aus und halte ich in dem Maße für überzogen.
    Den Hundeführerschein andererseits halte ich für zwingend, allerdings unter Regie und Konzeption von entsprechenden Fachleuten - Hundevereine oder Organisationen. Genau diese sind würdig, durch die Politik unterstützt zu werden.

    Auch wenn ich keine Hunde mag, mag ich doch die Sicherheit, die sie mir und anderen Menschen geben können - bei der Polizei im Flughafen, bei den Rettungswerken und den Blinden. Ebenso bei Menschen, die eine treue Seele nötig haben und ihre Emotionen auf ein Lebewesen projezieren, das sie nicht enttäuschen wird - wenn es richtig erzogen ist.