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    Das Zeitalter der Normierungen

     

    Als ich in das Gymnasium kam und mit dem Fach der Biologie konfrontiert wurde, da gab es eine Unterrichtsstunde, in der wir über wilde Tiere – im Gegensatz zu domestizierten Tieren – reden sollten. Der Lehrer versuchte uns in die Gestaltung einzubeziehen und fragte: „Welche Tiere kennt Ihr denn?“

    Unglücklicherweise gab es damals eine Serie Aufkleber in Süßigkeiten, auf der solche Tiere abgebildet und mit Namen benannt waren. Da diese Süßigkeit zudem beliebt war, wurde der Pädagoge mit vielen Tiernamen überhäuft. Es ergab sich die Situation, dass darunter auch sehr viele Namen waren, auf die er offensichtlich nicht vorbereitet war und die er tatsächlich nicht kannte. Es folgten starke Vorwürfe an meine Mitschüler und mich, weil anfänglich der Verdacht aufkam, wir wollten unseren Lehrer auf den Arm nehmen und uns Bezeichnungen ausdenken. Nachdem dieser Vorwurf aufgrund der vielen Aufklebern auf den Schulmäppchen und den Schulheften entkräftet werden konnte, wurde die Klasse wieder gemeinschaftlich angegriffen, weil wir diese Exoten nannten und nicht mit Elefant, Löwe oder Tiger angefangen hätten.

    Bei mir blieb von damals zurück, dass der Lehrer offensichtlich die üblichen Elefanten, Löwen und Tiger erwartet hatte und von uns Antworten erhielt, die außerhalb seiner Norm lagen. Daraufhin wurde unser außergewöhnliches Engagement bestraft und wir aufgefordert, uns innerhalb der Erwartungshaltung des Lehrers zu bewegen.

    Die Regel ist heute, dass Abweichen von dem gesellschaftlich vereinbarten Rahmen als schlecht angesehen wird, selbst wenn dieses in einem positiven und produktiven Sinne geschieht. Engagement wird erwartet und verlangt, aber bitte nicht zuviel und nicht abweichend von den Traditionen und eingespielten Denkschemata. Pluralismus der Meinungen wird gepredigt, aber nur die eigene Meinung zugelassen.


    Um mich jetzt des Vorwurfs zu entledigen, ich würde selbst alles über einen Kamm scheren: Ja, es gibt Ausnahmen. Ich selbst setze mich dafür ein, Ausnahmen zu gestalten und Norm zu hinterfragen.