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    aktuelles Thema - 1984 (dritter Aufzug): Das Fell der Demokratie

     

    Ich habe in 1984 (zweiter Aufzug): Du wirst immer quaggiger geschrieben: "Wehret den Anfängen. Demokratie muß verteidigt werden. Und das werde ich auch, selbst wenn ich dafür in den Untergrund gehen muß. Ich rechne damit, daß es zwischen 2020 und 2030 soweit ist."

    Bliebe die Frage zu klären, wie man eine ins Schafsfell der Demokratie verkleidete, zukünftige Diktatur/Polygarchie verhindern oder bekämpfen kann. Grundsätzlicher jedoch ist die Frage, wogegen man überhaupt angehen soll.

    1. Politik
    Schaut Euch die Politik und die damit verbundenen Personen an. Als es früher die Erbnachfolge gab, da waren sicherlich "böse" Despoten dabei, aber mit Glück war auch jemand unter den Herrschern, der Gutes wollte. Das kann uns heute nicht mehr passieren, da in einer Demokratie derjenige im Zentrum der Macht sitzt, der sich am besten auf die Kunst der Manipulation versteht.
    Hier rede ich nicht von der lokalen Politik, weil sich auf dieser Ebene die Menschen in der Regel noch kennen und die Anzahl der Zeugen für ein bestimmtes Verhalten hinreichend groß gegenüber der Gesamtmasse ist. Ich rede von der Regierung über einen Staat - dort wo Jurisdiktion, Exekutive und Legislative zusammenlaufen.
    Das, was einige als Vorläufer, Hort der Demokratie betrachten - die United States of America - geben uns die Richtung vor, man sehe sich den Kampf um die Präsidentschaft 2000/2001 an. Abgesehen, daß sich dieses Land bei der Auszählung und durch seinen Wahlmodus lächerlich gemacht hat, bleiben noch die beiden Kandidaten. Aus meiner beschränkten Sicht stellt es sich so dar, als ob ich mich zwischen Zahnschmerzen und Darmgrippe entscheiden müsse. Abgedrosche Phrasen, denen man deutlich ansieht / anhört, wie sehr sich im Hintergrund Wording-Spezialisten und Public Relations Fachleute stundenlang den Kopf um Formulierung und Geste zerbrochen haben. Wenn man der Körperhaltung der Kandidaten die intensive und harte Schulung von Trainern ansieht. Wenn man sieht: das ist nicht ehrlich. Das Perverse daran: wer dabei am glaubwürdigsten herauskommt, ist der neue Präsident. Halt! Das kann das Wahlsystem trotzdem noch zunichte machen.
    Erfrischend wirkt dann zum einen, wenn der Kandidat und jetztige Präsident Bush die Maske fallen läßt, weil er sich unbeobachtet fühlt und bei offenem Mikrofon den faux-pas begeht, einen Journalisten als ein großes Arschloch zu bezeichnen. Erfrischend? Naja, man sieht, wie nah "gut" und "böse" liegen.
    Unser Bundeskanzler Schröder tritt als Effektkanzler auf - immer im Brennpunkt und wohlüberlegt und er macht Effektpolitik für die Gegenwart (plus 5 Minuten). Dabei tut er faktisch nichts, außer sein eigenes Ego und die Öffentlichkeit zu pflegen. Unser ehemaliger Bundeskanzler Kohl tut so, als sei nichts gewesen und dadurch wird die ganze Angelegenheit um das gespendete Geld undurchsichtig und anrüchig.
    Im Zusammenhang mit Gesetzen wird des öfteren von "Überregulierung" gesprochen - dabei ist es nichts anderes als Gelegenheitsgesetzgebung. Wir brauchen jetzt ein Gesetz, also macht man es.  Jetzt (Basta!). Da die verschiedensten Lobbies aufschreien, wird solange herummodifiziert, bis nur noch die Lobbies dagegen sind, die keine Stimme oder Ausdrucksmöglichkeit besitzen. Sobald sich das ändert... neues Gesetz oder Korrektur.
    Im Gegenzug verlangt die Exekutive mehr Rechte und Gelegenheiten, diese Gesetze durchzusetzen. Das heißt kontrollieren, überwachen, bestrafen. Dadurch kommt es an den anderen Enden zu Mangelerscheinungen wie Personalbedarf. Man gleicht es durch Technik aus und wird einen Überwachungsmoloch aufbauen.
    Wenn diesem Zyklus nicht aufgehalten wird, dann wird er sich beschleunigen.

    2. Medien
    Wir müssen uns im klaren darüber sein, daß die Medien nicht mehr das Gleichgewicht von Macht (und Mißbrauch) und Öffentlichkeit sichern ("die vierte Macht im Staate"), sondern lediglich den Ausgleich zwischen Unterhaltung und Geld herstellen.
    Die Folge davon: der sogenannte investigative Journalismus, der unter dem Deckmantel der Aufklärung lediglich der besten hinterherjagen und dabei in großherrlicher Manier Tabus, Scham oder auch nur die Menschlichkeit außen vor lassen. Und nur wenn sich zufällig Quote und Aufklärung überdecken, dann kommt es zu den großen Enthüllungen, unter denen ein Politiker fällt.
    Doch wichtiger sind die Dinge abseits der Politik. RTL hat es geschafft, die sinnfällige Verwendung der Worte "Big Brother" (die ja aus George Orwells Werk 1984 stammen, NUR ZUR ERINNERUNG!) in ihr absolutes Gegenteil zu verdrehen. Der Große Bruder ist etwas schlechtes, etwas schlimmes. Er umsorgt uns, indem er festlegt, was gut für uns ist (Werbung der Bild-Zeitung: "Heute lesen, was morgen Meinung ist"). Und -was ein Zufall- ein tragendes Element des Buches von George Orwell ist das Wort. Durch Worte und Medien wird die Welt kontrolliert. Worte werden so lange verändert, bis sie im Sinn verdreht sind. Seht Euch wenigsten die Verfilmung an, sie ist recht gut. Aber das Buch ist doppelplusgut. Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke.

    3. Ausbildung
    Unser mittelmäßiges Bildungssystem schafft konforme Bürger. Abweichungen werden selten akzeptiert und noch seltener adäquat gefördert. Es wird viel Geld in Leute investiert, die zu dumm sind, während hingegend diejenigen Leute, die intelligenter als der Durchschnitt sind, vernachlässigt werden. Man orientiert sich am "low level" und schafft bei einigen nur eine gewisser Form von "mimetischer" Intelligenz.
    Es gibt eine Kategorie von Leuten, die ein Studium an der Universität nicht schaffen und weil sie außerhalb der Universität keine Erfolge erzielen, verbleiben sie dort. Und assistieren bei der Ausbildung von neuen Studenten. Können solche Leute anderen Wissen vermitteln? Nein, können sie nicht. Ich rede hier nicht von den Leuten, die solche Assistenzstellen als vernünftige Ergänzung zu ihrem Studium verstehen und deren Hauptgewicht gerade deswegen auf der eigenen Ausbildung liegt. Diese haben zwar ebenso wenig pädagogische Ausbildung, aber wenigstens sind sie in der Regel fachkompetent.
    Die Ausbildung erfolgt prinzipiell nach Bedarf. Von außen wie auch von innen gesteuert. Das bedeutet, daß Fächer studiert werden, von denen die Industrie oder der Schüler meint, daß sie gerade benötigt werden. Im Gegensatz zu früher (und Beeinflussung durch Politik, Medien und Industrie) zeichnet sich immer deutlicher ein sogenannter "Schweinezyklus" ab. Diese stärker werdenden Schwingungen werden zu einem zunehmenden Ungleichgewicht führen, das in zwei Extreme mündet: auf der einen Seite Unterdeckung mit den gerade benötigten Fachkräften und auf der anderen zu einer Überdeckung (=Arbeitslosigkeit) von gerade nicht benötigten Fachkräften. Zusätzlich kommt es zur schlimmsten Konsequenz: Grundlegende Fächer werden - wenn überhaupt - nur noch aus Idealismus studiert und sterben an den Universitäten nach und nach aus. Darunter leidet wiederum die Vielfalt des Wissens und endet wiederum in einer Abflachung von Allgemeinwissen und Kulturtechniken.

    Soweit sind wir. Und es geht weiter.