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Abi Special - ABIcheck

(Vorgegriffen: ABIcheck im Web: HIER. Den selben Link gibt es auch wieder unten ;-) )

Auf der Landesausstellung zu  Jugend forscht 1989 war auch ein Stand des Arbeitsamtes Saarlouis - und einer der Initiator einer neuartigen Broschüre in der Berufsberatung.

Diese Broschüre arbeitete erstmals mit einem "Verweissystem" welches weniger mit Indizes und Inhaltsverzeichnissen arbeitet, aber mehr mit Grafik.

Der betreuende Berater vom Arbeitsamt, Jürgen Dillmann, erkannte gleich, daß viele PC-Programme ähnlich aufgebaut waren, eine Menü-ähnliche Struktur aufwiesen. Also ging er von Stand zu Stand und fragte, ob man so eine Broschüre nicht auch auf dem PC umsetzen konnte. Andere Teilnehmer der Informatik-Bereiche haben dies anscheinend nicht so gesehen, ich war dann zum Schluß der einzige, der sofort zugestimmt hat.

Es begann eine fruchtbare Zusammenarbeit, zwischen Jürgen Dillmann und Edmund Bürner vom Arbeitsamt und mir und wir setzten die Broschüre medienangepaßt für den PC um - dabei war zu berücksichtigen, daß der Standard-Rechner 1989 ein PC oder maximal ein AT286 war und gerade hat sich die EGA-Grafik durchgesetzt (640x350 in 16 Farben). Selbst wenn gerade die VGA-Adapter bezahlbar wurden, mußten wir uns den niedrigeren Anforderungen stellen.

Letztendlich war ein einfach zu bedienendes Programm fertig, welches selbst mit 640 KB Hauptspeicher, 1.2 MB Festplattenplatz (bzw.  AT-Diskette 5,25") und EGA Grafikarte auskam.

Jede Menge Texte wurden transkribiert und auf die Formulierung überprüft. 'zig Tests haben wir mit Schülern gemacht und die Benuterführung optimiert, schließlich waren 600 Text-Seiten im PC und einsatzbereit. Bis jetzt war das ganze noch kein offizieller Auftrag, es war "nebenbei" in Freizeit entstanden. Wir haben uns einen Termin beim Landesarbeitsamt Rheinland-Pfalz Saarland besorgt und das Programm vorgestellt. Begeisterung und Geschäftspolitik stießen jetzt zum ersten Mal aufeinander. Monopol auf die PCs und deren Ausstattung inklusive Software hatte eine Firma in Mannheim.

Trotzdem gelang es uns, einen Pilotversuch in den Arbeitsämtern Saarlouis, Neunkirchen und Saarbrücken durchzusetzen, wo dann für längere Zeit mein Programm parallel zu den anderen Programmen lief. Die Schüler waren begeistert und es gab auch einigen Wirbel in den Medien (Zeitung, Radio, sogar das Fernsehen war da).

Da zu einem solchen Projekt auch eine Bezahlung gehört, habe ich dann am 15.12.1989 eine Firma angemeldet, um das Geld seinen regulären Weg fließen zu lassen.

Wir haben aber schon viel weiter gedacht. Diese Broschüre und die Datenbank bestand aus statischen Daten. Jeder Schüler musste relativ genau wissen, was er denn in Zukunft machen wollte. Nun haben Schüler relativ wenig Informationen (oder viel zu viel - je nachdem, wie man es sieht), welche Berufe es denn überhaupt alles gibt und so bestand immer die Gefahr, daß ein Abiturient ein für ihn interessantes Tätigkeitsfeld übersieht. Also skizzierten wir die Idee, daß wir vor die vielen Daten einen Test über Neigungen und Fähigkeiten davorschalteten und die Berufe/Studienfächer bevorzugt präsentieren, die zum Profil des Abiturienten passen - ohne ihm die Möglichkeit zu nehmen, sich die anderen Berufe anzusehen.

Gesagt - getan. Wir haben Fragen definiert, Profile für etliche hundert Berufe festgelegt (und fein-abgeglichen), wir haben erweiterte Texte erfasst und über 1000 Schülern das Programm bewerten lassen. Ein sehr umfassender Betatest. Am Ende stand ein Programm, welches sehr viel positives Feedback erhielt. Bis zu 182 Fragen (in 10 Minuten beantwortbar), grafisch anspruchsvoll, schnell und sehr leicht verständlich. Das war dann ABIcheck!


Von der Präsentation (warum und wie das Progamm arbeitet), über die Fragen (immer abrufbare Erklärungen, die anhand des Benuterverhaltens auch selbsttätig erschienen), die Profilerstellung, die "Berufs-TOP-10" mit grafischer Auswertung und erklärenden Texten, mit dazugehörigen Studienstandorten und als "Clou" ein Modul, mit dem man für die gewünschte Universität eine Informationsanforderung mit eigener Adresse ausdrucken konnte. Finde ich immer noch genial. Wir haben sogar eine teure Broschüre produziert.

Die meiste Arbeit jedoch waren unsere statistischen Auswertungen und die Gespräche / Erhebungen mit den Schülern.

Wieder gab es einen Termin im Landesarbeitsamt - auch mit Vertretern aus der Hauptstelle (Bundesanstalt), um Abi Special abschließend zu besprechen. Wir fanden, der ideale Zeitpunkt, um das neue Produkt vorzustellen. Und dann ging es richtig rund mit der "Geschäftspolitik". Auf die zaghafte Aussage "wie wäre es denn mit einem Neigungs- und Fähigkeitsprofil" kam nur "Unmöglich, so etwas geht nicht und wir wollen nichts mehr darüber hören!". 

Der Hauptstelle konnte man nicht einfach so widersprechen, selbst der Hinweis, daß "unmöglich" unmöglich war, da das Programm bereits existiere, brachte nichts. Man bat uns um Übersendung von Mustern (Screenshots). Wir haben diese verändert, damit man unsere Algorithmen nicht erkannte und ließen auch das eine oder andere aus. Mit Recht.

Denn ... oh Wunder... die Mannheimer Firma entwickelte plötzlich genau so ein Programm. Wir ärgerten uns maßlos und waren im Interesse der Schüler nicht erfreut, wie gnadenlos schlecht das Ergebnis gegen unseres war. Dazu kam dann noch der leichte Unterschied von einigen Millionen DM. Kann man nichts machen, wir waren zu klein, hatten keine Erfahrung im Marketing und waren allgemein etwas zu blauäugig - zwei Beamte und ein Student. Es war richtig erniedrigend, machtlos zu sein (kann sein, daß dadurch meine "Sieben Schwarze Jahre" zusätzlich beeinflußt wurden).

Im Nachhinein lässt sich folgendes sagen: die Hauptstelle hatte keine andere Wahl, denn hätte sie das Angebot von uns akzeptiert, dann wäre sofort aufgefallen, daß sie langjährig konsequent die Ausschreibungspflicht verletzt hätte. Einige Jahre später erst wurde das entdeckt und die damals Verantwortlichen mussten gehen. Somit war für uns der Bundesrechnungshof unser persönlicher "Bundesrächerhof". 

Ebenso die Mannheimer Firma. Der Geschäftskontakt mit der Hauptstelle wurde weniger, da wir aufgewiesen hatten, daß es billiger und besser geht. Nach dem Ausschreibungsskandal haben sie auch nur noch Randaufträge bekommen.

Aber irgendwie war es trotzdem eine traurige Geschichte - insbesondere auch für meinen Geldbeutel. Aber trotzdem reich an Erfahrungen. Und doch bin ich gerade wieder richtig wütend geworden :-#

Und um eines obendrauf zu setzen: ich habe ABIcheck aufs Web umgesetzt: HIER

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